Stamm Fasnacht 2016

Früh im Dezember 2015 war es, da die Sujetkommission im N-Bahn Club Basel auf dem Güterbahnhof Wolf das Geheimnis der Fasnacht 2016 lüftete. Als Zwerge würden wir im darauffolgenden Februar durch Basels Gassen laufen, und dabei das ausspielen, was der Schweizer Schriftsteller Lukas Bärfuss im Oktober in seinem Beitrag in der FAZ thematisierte: die Rolle der Schweiz im Zirkus der Grossen. Der «Schwyzergryz-Vernichter» ging mit seiner Heimat hart ins Gericht, was die kulturelle, politische und wirtschaftliche Entwicklung des Landes betraf. Das war für das Seibi- Sujet-Gremium die Initialzündung für das Sujet 2016 «Mini Schwyz – e Land uff Zwärgfuess». Die Seibi für einmal ganz klein, als Zwerge, mit Zwergtrommeln und einer Lampe, die am Ende doch noch getragen wurde und den Zwergenzug überragte (merci den starken Männern beim Schleppen – ihr wart sensationell bei eurer Premiere. Wir hoffen, euch im 2017 wieder bei uns begrüssen zu dürfen).

So klein die Figuren umgesetzt wurden, so gross war der Kaschieraufwand. Was erst als zwei bis drei Stunden Aufwand kommuniziert wurde, brachte manch einen Seibianer in der Weihnachtszeit arg in die Bredouille. Wer sein Werk einigermassen passabel fertigen wollte, musste mit mindestens fünf Stunden im Atelier rechnen. Apropos Atelier: Zum Glück waren die Arbeiten am Petersgraben eine Derniere, die Bastel- bedingungen im Keller waren – gelinde ausgedrückt – ein Graus. Zurück zur Larve, die am Ende hervorragend rausgekommen ist (merci Baschti, merci Schibler senior): Zumindest als der Tambourmajor und die Trommler die Leute am Strassenrand passierten, waren die Schmunzler offensichtlich, weniger gut gelang die Umsetzung bei den Pfeifern, die Hut und Larve in zwei Teile trennen mussten, um überhaupt pfeifen zu können. Logisch also, dass der eine oder andere in der Pfeifergruppe abends auf ein bequemeres Halblärvli wechselte. Etwas, das die Obmänner Marc und Lukas in ihrem Fasnachtsgruss bereits vermutet hatten: «Dr Zwärgehuet isch breit und lang, de Pfyffer wird’s scho Angscht und bang. Kann y mit däm Ding denn laufe? Muess my z’letscht doch no verschlaufe?».

Anders die Tambouren, die trotz des stattlichen Gewichts bis zum letzten Fünfer als Orginal-Seibi-Zwerge durch die Gassen ruessten. Wie auch Major Thomi, der mit Helvetia im Rücken eine blendende Figur abgab und uns von der Morgestraich-Mony (Morgestraich-Ohremyggeli-Naarebaschi-Yankee) bis zum Ändstraich-Ohremyggeli gewohnt souverän durch die drey scheenschte Dääg führte.

Und sonst? Trotz des grauen Himmels war es eine Stammfasnacht voller Farbtupfer. Da war etwa der Morgestraich wie er eben in dieser Clique besonders ist. Schöne Umgänge und so lange Einstehen, wie ei- nen die Kräfte tragen. Die Einkehr vor dem gmainsame Kehr mit AG und Mysli gab es diesmal im Schmiedenhof, der legendäre Stöckli-Halt wäre beinahe ins Wasser gefallen, da der Blutorangensaft für den Sunshine fehlte. Zum Glück gibt’s Marc Bättig, und zum Glück gibt’s wenige Meter nebenan einen Coop Pronto. Nach dem Einkauf folgte der Ausschank an der Bar, auch dank grosser Mithilfe von Michi Gass, und dem einen oder anderen setzte diese Eierlikör-Bombe die letzten Kräfte im Morgestraich-Endspurt frei.

Da war aber auch der Mittwoch, an dem das Gros auf dem Zahnfleisch ging und sich dennoch fast au grand complet bis zum Ende durchbiss, um mit einem Mega-Ohremyggeli vor dem Schnabel der Fasnacht Adieu zu sagen. Diesmal wurde den Seibianern dabei ganz genau auf die Finger geschaut – das Schweizer Fernsehen war hautnah bei den letzten Klängen der Seibi-Fasnacht 2016 dabei und nutzte diese Sequenzen, um den Querschnitt 2016 mit der Seibi zu beschliessen – ein letztes Mal wurden die Zwerge ins Rampenlicht gesetzt. Das war das Positive. Eine Fasnacht zeigt vielmals aber auch ihr anderes Gesicht. Und das war diesmal der stockende Verkehr auf der Wettsteinbrücke. Montags wie mittwochs ging auf diesem Cortège-Abschnitt der Route in Richtung Grossbasel nichts mehr. Diese Warterei musste am Montag die Nerven der meisten Vorträbler so sehr strapaziert haben, dass sie den letzten Kehr vor dem Nachtessen ausliessen und direkt ins Centro dislozierten. Wohl wissend, dass noch ein Comité zu passieren gewesen wäre. So lief die Seibi den Steinenberg hinunter, angeführt von einem Zwergen-Vortrab, der in der Tat richtig klein daherkam. Man kann der Meinung sein, dass dies zum Sujet passend war. Man kann aber auch der Meinung sein, dass solche Aktionen selbst in einem Zwergenstaat nichts verloren haben.